Kleine Abenteuer

Die neuen Kathedralen

Schöne Architektur

 

Shoppingwahn

Die neuen Kathedralen und Kirchen sind nun die Einkaufstempel dieser Welt. Ja, da gibt es unglaublich schöne, wie die Galleria Vittorio Emanuele II in Mailand und unglaublich häßliche, die ich jetzt nicht beim Namen nenne. Die Schönheit liegt bekanntlich im Auge des Betrachters. Mir kam der Vergleich in den Sinn, als ich mit Ingrid von www.begeistern.net in Mailand war. In der Umgebung des Mailänder Doms gibt es sehr viele Einkaufsmöglichkeiten. Wir stehen  mit offenem Mund vor den Eingangstoren einer bekannten Marke und beobachteten die Menschenmassen, die hineinströmten, als ich feststellte: Das erinnert mich an eine Kirche.

Lockmittel

Vor dem Tempel schnuppere ich einen Duft und frage mich, wo das herkommt. Ja, hier wird Parfüm versprüht, wirklich, damit man im vorbeigehen in die heiligen Hallen gelockt wird und hoffentlich etwas kauft. Ich habe es als penetrant empfunden. Vielleicht gehöre ich nicht mehr zur Käuferschicht dieser Kathedrale, die Marke war eher für junge Menschen. Der Eingangsbereich und die Schaufenster sind Altäre und die Hohepriester sind die Modeberaterinnen, falls es welche gibt. An der Kassa, wenn Du sie gefunden hast, stellst Du Dich erst mal an, damit man gnädigerweise die erworbene Kleidung bezahlen kann. Das ist sozusagen die Spende. An die Götter der Mode mein Gebet: Es regt mich ehrlich gesagt auf, so lange anzustehen. Daher habe ich schon manchmal die Ware hingelegt um diese Kultstätten zu verlassen. Ja, ich gebe zu, auch ich bin schon hin und wieder in Versuchung geraten. Ich war in Dubai, Mailand, Berlin, Wien und in vielen anderen Städten mit gigantischen Shopping Malls.

MAILAND

Aber es war in Mailand, als der heilige Geist dieser Gedanken über mich kam. Vielleicht war es die Kombination des schönen Domes und die ehrwürdige, jahrhundertealte Galleria, kurz vor Weihnachten, die mich verwirrten. Ich blieb stehen, dieser Duft, dann starrte ich auf einen Türwächter. Er war sehr groß, gut aussehend, im schwarzen Anzug mit einem Headset ausgerüstet und mit strengem Blick. Boaaah!! Ich staunte! Hinter ihm Musik im Eingangsbereich, gigantische Säulen mit Schaufensterpuppen, die sich drehten. Alles war in schwarz, die Mode und der Pförtner. Dahinter glitzerte und funkelte alles, dass man sich wie ein Kind fühlte, dass Weihnachten zum ersten Mal bewußt erlebt.

DAS ALLERHEILIGSTE

Keine zehn Schritte weiter führen Stufen ,sehr breite, zum Allerheiligsten. Menschenmassen wuzzeln sich hinauf, dass Du meinst, es gibt alles geschenkt. Natürlich, jeder wie er mag. Ich mag nicht! Doch hin und wieder begehe ich eine Sünde und überschreite die Schwelle des Konsums. Spätestens nach 15 Minuten erfasst mich tiefe Reue und ich versuche verzweifelt durch all die Gänge, Kleiderständer und Menschen, den Ausgang wiederzufinden. Vor der Eingangstür atme ich erst einmal tief durch und schwöre mir NIE WIEDER. Der betörender Geruch steigt schon in meine Nase, nein es ist kein Weihrauch. Der Lockduft für uns kleine manipulierbaren Menschen, damit wir richtig kaufwütig werden. Bei mir hat die Wissenschaft versagt, mir war nur schlecht, mein Gehirn hat mir nichts anderes signalisiert.

MEIN SCHULDBEKENNTNIS

Ja, ich bin altmodisch. Ich will in ein Geschäft gehen, ohne dass bei jeder Bewegung die Ware vom Bügel fällt, will mich nicht anstellen bei Umkleidekabinen, in denen mich das Licht so ausleuchtet, dass meine Kauflaune sofort unter Null fällt. Ich will eine Verkäuferin, die mich anschaut ohne zu denken : Die gehört aber nicht zu unserer Zielgruppe !

Was sagt Ihr dazu?

Einkaufstempel

 

 

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4 Kommentare

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    Antworten
    Ingrid Staufer
    30. März 2017 at 9:48

    Da kann ich nur applaudieren 🙂
    Wobei ich erwähnen möchte: Die Spiegel bei H&M und New Yorker würde ich gerne mit meinem Spiegel zu Hause tauschen 🙂
    lg ingrid

    • Gabi Wenger
      Antworten
      Gabi Wenger
      30. März 2017 at 13:53

      Ich habe eher was anderes erlebt in einer Umkleidekabine. Ich weiss nicht mehr wo. Grünliches Licht meine Haut sah aus wie von einem Dinosaurier. Ha ha. Lg. Gabi gekauft habe ich dann nichts.

  • Avatar
    Antworten
    Edith
    30. März 2017 at 10:14

    So habe ich das Thema noch nie betrachtet!
    Als ich mit 20 zum ersten Mal in Paris in den Gallerys Lafayett war, empfand ich es wie ein Wunderland, damals zählten Klamotten und Drumherum noch zum Wichtigen in meinem Leben.
    Die letzten Jahre meide ich solche „Kathdralen“ bewusst, ehrlich gesagt, ich werde müde, die endlosen Geschäfte abzulaufen. Auch die edlen Boutiquen aneinander gereiht, zuletzt in Cork gesehen, ziehen mich absolut nicht an.
    Und wie du schreibst, diese Guards, die in schwarzen Anzügen davor stehen, fand ich nicht einladend, ganz im Gegenteil! Trotzdem gehen sehr viele da rein, die jüngeren haben damit anscheinend kein Problem, die wachsen mit dem auf.
    In meiner Jugend stand jedem (unserer) Geschäfte hinter der Pudel eine Frau in schwarzer Klothschürze und Tintenblei hinter dem Ohr vor. Ehrfurchtsvoll brachte man seinen Wunsch vor!
    Was mich irgendwie an die schwarz gekleideten Aufpasser der heutigen Kathedralen erinnert…

    • Gabi Wenger
      Antworten
      Gabi Wenger
      30. März 2017 at 13:44

      Ja Edith ich gebe Dir recht. Egal wo man ist, überall die gleichen Klamotten. Da vergeht einem die Lust zu einkaufe. Alles gibt es immer überall. Früher ist man nach Italien gefahren um was tolles zu finden. Das ist lange vorbei. Allerdings vermisse ich das auch nicht.Lg. Gabi

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